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Erfolg Macht Sexy! Abi 2003 am Gymnasium Vogelsang Solingen

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Phillip Pasquay und Gereon Weilandt

Der Geschichts-LK in der Toscana Wir schreiben den 23.6. des Jahres 2002 nach Christus. Ganz Vogelsang befindet sich im Aufbruch zur Studienfahrt nach London, Frankreich oder Niederlande. Ganz Vogelsang? Nein! Ein kleiner Trupp aus der Oberstufe, der Geschichts-LK, widersetzt sich diesem allgemeinen Gruppenzwang und genießt das Leben in einem kleinen Ort Namens "Marina di Massa" in der Toskana. Eine kleine Präsentation einiger Studienfahrtenteilnehmer: Frau Becker: Sie ist in diesem Kurs die unangefochtene und selbsternannte Chefin,die ihren Schülern immer mit Rat und Tat beiseite steht. Besonders durch so kreativ-neuartige Vorstellungen, wie dass das Essen leckerer werden könne, wenn man einfach die Augen schließt und an was Schönes denkt, untermauert Sie immer wieder ihre einzigartige Vormachtstellung. Fabian und Jasper: Die zwei einzigen Humbolder in diesem Kurs. Dadurch haben Sie ein besonders schweres Kreuz zu tragen, was vielleicht auch erklären könnte, warum Jasper über so schwerwiegende Probleme, wie dem Sinn der Bindfäden vor dem Mond, nachdenkt. Felix: Das Sprachgenie! Angeblich ein waschechter Solinger. Doch Dialektsprachen,wie Hessisch, Platt, Bayrisch und noch viele mehr sind ihm bekannt. Und wenn er erst mal anfängt Norddeutsch zu reden... Sven & Nick: Als Kinder sind diese Beiden wohl in einen Bottich voll Sonnenmilch gefallen. Seitdem brauchen sie eigentlich nix mehr fürchten: Kein Platz ist ihnen zu heiß, kein Rot zu rot und schon gar keine braune Haut zu braun. Nadide: Als Geschichtskurs-Studienfahrtenteilnehmer-Älteste, ist sie die wohl Temperamtvollste der gesammelten Gruppe. Aber warum sich so abmühen mit der Beschreibung. Einfach "Hammer, die Nadide!" Der gesammelte Rest, von dem jeder die Berechtigung hätte ebenfalls genauer beschrieben und vorgestellt zu werden. Doch leider ist das nicht möglich, da allein damit ein ganzes Buch gefüllt würde. 23.06.02 Es ist ein sommerlicher Abend im Juni. Auch um 17 Uhr steht die Sonne noch heiß über unserem kleinen Ort. Ein Blick auf das Hauptquartier (Hotel l’Aprodo) lässt erahnen, in welcher kümmerlichen Lage unser Geschichts-LK sich befindet. Haus und Fenster sind verstaubt, einige Reste einer Mauer zu erkennen. Ein einzelnes Fensterglas scheint zerschlagen und bis auf eine kleine schwarze Katzenmutter, die auf der Suche nach Futter für ihre fünf Katzenkinder herumtigert, sind alle Bewohner ausgeflogen. Einige Kilometer vom Hauptquartier entfernt, am Rande der Stadt, werden wir auf der Suche nach Futter für ihre fünf Katzenkinder fündig. Sechs dieser wackeren Schüler befinden sich gerade auf dem Weg ins Hotel. Sie haben einen strapaziösen aber erfolglosen Erkundungsgang hinter sich, und während sich die einen fast humpelnd vorwärts schleppen, sehen die anderen von ihnen Eis, das unsere Freunde auf ihrem Weg, der sie zu echten Männern machen sollte, gefunden haben…. Aber stopp!! Um uns einen besseren Eindruck zu verschaffen, wieso unsere Freunde diesen langen Fußmarsch auf sich genommen haben und warum sie sich nicht in Vorbereitung auf die Studienfahrt befinden und um zu erfahren, wo eigentlich die restlichen Geschichts-LK'ler sind, drehen wir die Zeit doch noch einmal um 22 Stunden zurück: 22/23.06.02 Auf der selbigen Straße hört man vereinzelt Rollerfahrer vorbeirauschen, und auch im Hotel schein bis auf das hungrige Miauen der Katzenkinder Ruhe zu herrschen. Von unseren nimmermüden Schülern keine Spur. Zur selben Zeit an einem entfernt gelegenen Ort: Parkplatz Vogelsang. Eine Gruppe von mindestens 7 Personen hat sich zusammengefunden und versucht mühsam einen Grill aufzubauen. Wir beobachten staunend, wie sie nach ersten Anfangsschwierigkeiten die Kohlen zum Glühen bringen und sich immer mehr Gleichgesinnte einfinden, die zu einer unbestimmbaren Musik versuchen Fußball zu spielen. Offensichtlich ist nicht nur uns aufgefallen, dass hier etwas Sonderbares vor sich geht. Denn auch die Polizei kommt kurzzeitig vorbei, um sich zu informieren, was denn los sei. Mittlerweile finden wir schon so ein oder anderes bekannte Gesicht und an den vielen Koffern, die am Straßenrand Platz gefunden haben, ist es für uns leicht zu erkennen, dass es sich bei dieser kleinen Gruppe um unseren Geschichts-LK handelt. Dieser hat sich um 21Uhr vollständig eingefunden, um einen Tag vor den anderen Kursen abzureisen, da man ahnt, dass diese Reise stressig sein wird. Wie stressig die Fahrt wird, das weiß um diese Zeit noch keiner und vielleicht ist das auch besser so. Wir beobachten, wie die einen ihr Gepäck im Bus verstauen, die anderen ihre neu entdeckten Weggefährten inspizieren. Denn im Bus gibt es nicht nur den Busfahrer Gregor, sondern auch dauernd Sprüche klopfende Hauptschüler der 9. Klasse. Für unsere Freunde vom Vogelsang nur ein kleines Problem, das sie direkt nachdem sie in dem voll gequetschten Bus Platz gefunden haben und der Bus sich in Bewegung gesetzt hat, angehen. So können wir live miterleben, wie der Fronten klärende Valentin die Hauptschüler in die Schranken weist: Busfahrer: „Bitte fragt nicht immer, ob wir schon da sind. Valentin: „Sind wir schon da?“ (Gelächter) 5 Minuten später Hauptschüler: „Sind wir schon da?“ Valentin: „Der Witz wurde schon gerissen, du Idiot!“ Während also unsere Geschichts-LK'ler dem vertrauten Solingen via Bus den Rücken kehren und die quengelnden und dauernd nach Mülltüten fragenden Hauptschüler ertragen müssen, betrachten wir noch einmal genauer die elektronische Ausstattung des Buses. Hier macht sich gerade unbeobachtet ein unmerklich kleines Schräubchen der Klimaanlage auf den Weg in Richtung Freiheit. Dieser unscheinbare Fehler der Technik wird unseren Freunden noch sehr schnell sehr viel Spaß auf der Fahrt bereiten, doch davon wissen sie zu diesem Zeitpunkt Gott sei Dank noch nichts! Wer weiß, ob sie im Wissen der Folgen die Fahrt so weitergeführt hätten, wie sie es geplant hatten. Es herrscht also eine zunehmend unerträgliche Hitze im Bus, was sich anscheinend auch auf die (eventuellen?) gedanklichen Stärken der Anwesenden Hauptschullehrer auswirkt. So können wir live miterleben, wie ein solches Individuum voller Ernst behauptet, dass die ‚Apuanischen Alpen’(hier wird bekanntermaßen Marmor abgebaut) Berge mit riesigen Schneefeldern seien. Es sei noch einmal daran erinnert, dass zu dieser Zeit, die steigende Außentemperatur bei nahezu allen Businsassen für einen ekelig nach Schweiß stinkenden Geruch sorgt. So lassen sich mit fortlaufender Zeit die Klamotten nur noch mit enormem Kraftaufwand von der Haut lösen. Schweiß ist halt hartnäckig! Trotz dieser widrigen Umstände erreicht der, anscheinend durch nix und niemanden aufzuhaltende, Geschichtskurs sein Ziel: Marina di Massa Wir schreiben die 14. Stunde des Tages und unsere Freunde haben ihr HQ (Hotel) gerade nach halbstündiger Irrfahrt durch die hintersten Hintergassen erreicht. Die Sonne steht hoch am Himmel und der Gestank der Kleidung steigt hoch in eben solche Sphären. „Vielleicht“ sagt sich der eine oder der andere „wird uns das Hotel entschädigen.“ Doch wie wir wissen, wird dem nicht so sein. Das müssen auch unsere Freunde vom Vogelsang einsehen. Nach einer kurzen Inspektion des Hauses, bei der das Bad für zu klein, die Betten für zu unbequem, Doppelbetten für Männer als komisch, die Zimmeraufteilung als chaotisch und die 2 Sterne nur als Verzierung empfunden wird, treffen die Teilnehmer der Kursfahrt nach und nach am Hotel wieder ein. Denn Eines weiß man ganz bestimmt, von den widrigen Verhältnissen möchte man sich nicht einschüchtern lassen. So können wir um ca. 15 Uhr eine etwas eigenartig dreinblickende Meute die Straße zum Strand entlang wandern sehen, die sich darauf freut endlich im Meer zu baden. Was wir im Folgenden sehen, trotzt eigentlich jeglicher Beschreibung. Doch soviel sei gesagt: Nachdem unsere Freunde an diversen Privatstränden abgewiesen wurden, musste nun ein 9-10 Meter breites Strändchen herhalten um 20 Schüler zu ertragen; da das Wasser selbst zum Baden zu dreckig erscheint. Aber auch hier sind unsere Gymnasiasten unberechenbar. Kaum hat sich der erste ins Meer getraut, tummeln sich urplötzlich fast alle unsere LK'ler im Wasser, bis sich um 16. 30 Uhr ein kleiner Trupp aufmacht, nach einem Supermarkt zu suchen, um Trinkwasser zu kaufen, aber nur eine Tankstelle mit Eis findet. Unsere unbeugsame Gruppe von Wassersuchenden ist also auf dem Heimweg und wenn uns nicht alles täuscht, hat sie ihr Ziel schon fast erreicht und es wird nicht mehr viel passieren. Machen wir also einen kleinen Zeitsprung zum Abend des 24. 06. 2002. Phillip und Gereon sitzen gerade gemeinsam im Garten und schreiben an einem mysteriösen Skript. Zufällig können wir vereinzelt Einblick erhaschen. Es scheint sich um ein Tagebuch zu handeln. 23. 06.2002 14.00Uhr - Wie kann das Hotel an 2 Sterne gelangt sein? - Schimmel im Bad so weit das Auge reicht! - „Dem Größenwahn sind die wohl nicht verfallen gewesen, als sie diese Baracke und insbesondere das Bad gebaut haben„ - Verkündigung der Regeln, die sowohl in dem Haus, als auch am Strand gelten sollen, die (un)wichtigsten werden aufgelistet: 1.kein Fußball am Strand (trotz 1000 Möglichkeiten) 2. 23.00 Uhr Hausfrieden, Heimkehr 3. keine betrunkenen Besucher im Haus,Hausbesitzer bietet Alkohol ohne Ende an! (Haeh?!) 19.30Uhr -Naechster Hammer!!! Die unerwartete Tatsache, dass jeder 16, 50 € Kaution zahlen soll. Frau Becker war so freundlich, das Geld für uns, die armen kleinen und mittlerweile nach etwas Essbaren lechzenden Schüler, vorzustrecken. -Doch dann dass: - Zum Abendessen wird uns ein unvergleichlich ungenießbares Abendessen geboten. In Erwartung weiteren Scheinessens wollen wir uns mit einer Bewertung des Essens (0-schlecht bis 10 P-genießbar) den Fraß in Erinnerung halten: - Vorspeise: Nudeln mit Tomatensoße (9P) - Hauptgericht: Pommes mit "Presspapier"-Schnitzel (4P) - Nachspeise: Nougatrolle in Scheiben (5P) - Außerdem: ! Es gibt nichts Kostenloses zu trinken beim Abendessen! Die menschlichen Grundbeduerfnisse werden nicht gedeckt. Mittlerweile ist bestimmt schon eine volle Stunde vergangen, doch unsere Schriftsteller lassen sich durch Nichts, auch nicht durch Mücken, aus der Ruhe bringen: 20.00Uhr - man macht sich auf und feiert -> kehrt zurueck und verbringt den Abend gemeinsam mit den anderen Besuchern des Hauses. 24.06.2002 - Akzeptables Fruehstueck (Brot, Käse, Kaffe -etwas zu trinken ?, Wurst, Marmelade) (6,5 P) - Angebot der anderen Gruppe (LK-Mathe/Physik am Recklinghausener Theodor-Heuss- Gymnasium) uns nach Sienna mitzunehmen (uns fehlt ja noch immer die Klimaanlage!) -> Busfahrer weigert sich jedoch aus Vericherungstechnischen Gründen Resultat: - Freier Tag ! - Fussmarsch zum Minimarket und wieder zurück. - Anschließend: Kollektiv-Abhängen am Haus. An dieser Stelle werden unsere zwei Jung-Autoren von einem heiteren Gelächter gestört. Gerade eben hat nämlich Fabian am Nachbartisch eine schwer nachvollziehbare Situation heraufbeschworen. Während Phillip und Gereon gemeinsam den Text verfassen, hat sich die Mehrheit des Kurses zu ihnen gesellt und genießt gesalzene Pistazien. In diese allgemeine Langeweile hinein, ist plötzlich Fabian zu vernehmen "Wem gehört diese Käppi?" Die Antwort Bastians, es sei seine, verleitet Fabian dazu seine Pistazienüberreste zu aller Überraschung in der Käppi zu verstauen. Und wie das nun einmal so ist, bei diesen unseren Freunden aus dem Geschichts-LK, können sie sich vor Erstaunen ein Lachen nicht verkneifen. Gott sei Dank hält dieser Zustand nicht ewig an, und unser Kurs hat um 16.00 Uhr die Möglichkeit den Strand zu besuchen. Am Abend können wir noch einmal einen kleinen Blick ins Tagebuch von Phillip und Gereon werfen: 16.00Uhr – Strandbesuch (Tretbötchen, Ballspiele und Sonnenbaden) …zwischendurch versuchen uns die sehr weiten Wellen unsere Badetücher zu klauen. Abendessen: - Nudeln mit Tomatensoße (ohne Petersilie) (4P) - Omelette mit Tomaten (4p und 5P) - (teilweise angebrannter) Vanillepudding (deshalb 0P) - gemeinsamer Abend am Haus (Mückenplage) - danach: PARTY ! mit anderem Kurs ! im Haus 25.06.02 Schon wieder ist es ein sonniger Sommermorgen. Aber, an der angespannten Stimmung ist zu erkennen, dass heute kein Tag wie jeder andere ist. Heute ist nämlich der lang ersehnte, nie für möglich gehaltene Halbfinal-Tag, an dem die Nationalmannschaft der Germanen auf ihre schlitzäugigen Freunde aus dem Fernen Südkorea stoßen wird. Der unerschöpfliche Optimismus wird nun von dem Spruch „Wenn wir schlecht spielen, kommen wir ins Finale. Wenn wir gut spielen, werden wir Weltmeister“ überdeutlich. Jedoch noch ist es nicht so weit! Nachdem das eher mittelmäßige Angebot des Frühstücktisches halbwegs genossen werden durfte, macht man sich nach freundlicher Einladung des Recklinghauser Mathe und Physik-LK’s nun gemeinsam mit einem Bus auf den Weg nach Florenz. (Nicht zu vergessen ist, dass der Bus der Solingen-Germanen zu diesem Zeitpunkt nicht abkömmlich war, da man ihn in der Werkstatt wähnte.) Was jedoch die endgültige Abfahrt in Richtung Florenz hinzog, war die Tatsache, dass sich unsere Freunde aus Recklinghausen eine lange Moralpredigt anhören durften. Man hatte am vorigen Abend anscheinend ein wenig zu exessiv dem Alkoholkonsum gefrönt, was zur Folge hatte, dass auf einmal, mitten in der Nacht, das zuvor erst mühsam aufgenommene Gesöff einen schnellen und eher unvorteilhaften Ausgang auf den Zimmerboden fand. Zu erwähnen ist auch noch, dass diese "Spuren der Freude" erst am nächsten Morgen eliminiert wurden, was sicherlich zusätzliches Erzürnen der Lehrer hervorgerufen hat. In Florenz angekommen besuchen unsere Helden-Historiker unter Leitung von Valentin und Felix die älteste Brücke Florenz’, den Museumsplatz und den "Florentiner Dom". Hierbei gilt der Domuhr ein besonderes Augenmerk, da sie, um es ganz platt auszudrücken, einfach falsch aber doch irgendwie richtig geht. Nach erfolgreich abgeschlossenen Referatvorträgen verwandelt sich unsere sonst so wissbegierige Geschichtsgruppe in eine kaum zähmbare und unkontrollierbar herumirrende Meute, die nur das Eine im Kopf hat: Den König Fußball und ihre Mannschaft, die doch an diesem Tage die fast schon einmalige Chance hat das Finale der Weltmeisterschaft zu erreichen. Angeführt wird diese, nun zu einem Pulk mutierte, Historikergruppe von der einzigartig motivierten Frau Becker. Zwar muss sich die Gruppe teilen, um das Spiel anzuschauen, doch ist der anschließende Siegerjubel wieder vom Kollektiv ausgehend zu vernehmen. Auf der Rückfahrt kann dann auch der Letzte den Sieg der deutschen Ikonen begreifen, und man versucht seine Erwartungen mit dem allgemein oft wiederholten Spruch "Hauptsache Finale" im Zaum zu halten, soweit das zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch möglich ist. Kurz vor dem Schlafengehen sehen wir einen der beiden Tagebuchschreiber den Stift zücken. Der Versuchung ihm über die Schulter zu schauen können wir nicht widerstehen: 25.06.2002 . Abendessen: -Nudeln mit Pamesan-Petersil- und Kraeutersoße (8P) -Pommes mit Haehnchen (3P und 5P) - Nachtisch: Fruchtsaftgemisch (sehr erfrischend) (10P) - Gang zum Strand(ABEND) – Außer dem wirklich, wirklich, aber wirklich unabsichtlichen Beobachten nackter Badegäste und einem Fußballspiel, dass zwischenzeitlich auch ohne Ball Spaß machte, rätselten wir über Fragen, wie der, warum der Mond von Bindfäden umwickelt ist. 26.06.2002 Ein nächster Morgen nach einer wieder mal kurzen Nacht. Unsere Freunde haben sich am Hoteleingang versammelt. Um 8.45 Uhr sollte der Bus nach Sienna angekommen sein, aber auch um 9.15 Uhr noch keine Spur eines fahrbaren Untersatzes. Unruhe steigt auf, als Frau Becker kommt und verkündet, die Klimaanlage im Bus sei noch nicht repariert und deshalb wolle der Busfahrer eigentlich gar nicht erst losfahren. Während die Einen verzweifelt versuchen ihren Ärger im Keim zu ersticken und eine dahergelaufene schwarze Katzenmutter und ihre Kinder streicheln, setzen die Anderen sich an einen Tisch und fangen eine Grundsatzdiskussion über die vorherrschende Verhältnisse an, die Philipp augenblicklich zu Papier bringt: Fakes und Fakten Fakes: - Nightlinerbus - je 2 Personen ein Roller - Pool/Bedienung - Man verstand sich gut mit dem Hotel - 5 Minuten zum Meer - Zimmer klimatisiert - Mückennetze - 5-Gängemenues /ausgewogenes Essen /tropische Früchte - geräumiges Wohnzimmer (Premiere TV) - Riesenwellen / klares Wasser / herrlich bewachsene Dünen - Hotelwirt kauft extra für uns ein Fakten: - Klimaanlage ! /langes Warten, wegen Suche nach Hotel - Durchgängig unerträgliche Temperatur - Pausen waren OK - Zimmer : -Badezimmer (Schimmel, klein, unhygienisch) - kein Handtuchwechsel - Putzfrauen - Fahrten ! klappen nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben Vorgesehen: -Mo: Pisa, Luca (ganztägig) -> freier Tag wurde eingeschoben, wg. Klima -> dieser Tag war dafür vorgesehen, dass der Bus in die Werkstatt kommen sollte! - Di: Florenz -> Bus kam nicht wg. Klimaanlage Wir mussten alles selber klären, sonst wäre nichts passiert -> Wir wurden netterweise von der anderen Gruppe mitgenommen. -> Abends versuchte man mehrfach Kontakt mit dem Busfahrer aufzunehmen, um weitere Planungen zu machen, doch man erreichte ihn nicht. Immer nur Mailbox, obwohl er versichert hatte erreichbar zu sein! - Mi: Freier Tag / ->Pisa - 8.45 Uhr Bus sollte kommen - 9.40 Uhr, Bus ist immer noch nicht da! Er hat anscheinend einen freien Tag :-.( - Bus ist immer noch nicht repariert. Ausserdem: Wir sind im Finale ! Um 10.10 Uhr erscheint, wider aller erwarten, der Bus. Hauptschüler inklusive. Die Fahrt gen Pisa findet ihren Anfang: Die Ruhe im Bus könnte mit der Tatsache zusammenhängen, dass lediglich die Hälfte der Hauptschüler es für notwendig erachten, so unwichtige Sehenswürdigkeiten, wie den Schiefen Turm von Pisa zu betrachten. Unser Geschichtskurs, indes, findet großes Interesse am Schiefen Turm, dem Dom und der anliegenden City, in der anscheinend besonders die Pizzerien so enormen Anklang bei den Schülern finden, dass man sich doch ausnahmsweise einmal der "Akademischen Viertelstunde" bemächtigt, um ein wenig später zum Bus zu kommen zu dürfen und in Ruhe dem Geschmack der wohl zubereiteten Pizza seine Aufmerksamkeit zu schenken, was beinahe fatale Folgen mit sich zieht. Auch in Luca erkenn wir ein eindeutiges Interessengefälle bei den Hauptschülern. Während unsere Gymnasiasten die Zeit in der Stadt genießen, werden sie (die Hauptschüler) immer ungeduldiger, da sie die ganze Zeit im Bus verbringen wollen und dies auch konsequent durchhalten. Am Abend, nach einem gemütlichen Strandbesuch, auch diesmal mit FKK-Charakter, setzen sich unsere fleißigen Tagebuchautoren wieder an die Arbeit, vergangene Stunden aufzuarbeiten: 26.06.2002 Diesem Tag wollen wir den Namen "TAG DER VERSPÄTUNG" geben! . Florenzführung: Jasper und Fabian! - der Schiefe Turm und anliegende Gebäude (kurzzeitige Spekulationen über einen absichtlichen Flugzeugabsturz- Vorsicht, die Amis kommen) - leckere Pizza, aber Viertelstunde Verspätung Lucca: - Unverständnis der Hauptschüler über einen Aufenthalt (1h 15m) - Wir verirren uns in den interessanten aber unwegsamen Gassen Lucas - Zwischenergebnis und schlussendlich auch Endresultat am Eiscaffe und im Friseursalon : Türkei: Brasilien = 0:1 (Ronaldo / 48 ) - schon wieder zu spät am Bus: - Sprechchöre der Hauptschüler (- Wir sind nur ein Karnevalsverein - ... Ruhrpottkanacken ... - scheiß Sooooolingen) Yippy !!! :-) Neue Handtücher Rest des Tages bis 19.00 Uhr Strand Voraussichtlich und hoffentlich fahren wir den nächsten Tag und auch die Rückfahrt mit dem freundlichen Kurs aus Recklinghausen Ohne Zoff geht es nie ! Also nach dem Abendessen - Spaghetti mit Tomatensoße (8 P) - Pizza (6P) - Schokopudding (5P) ? (O-Ton Frau Becker: "Macht die Augen zu und denkt an was Schoenes, vielleicht schmeckt es dann besser") Dann ein Schlichtungsgespräch der entsprechenden Parteien - allabendlicher Gang zum Strand ! 27.06.2002 Auf der Fahrt nach Sienna. Das erste Mal ist es möglich zu beobachten, wie unsere Anhänger der Historie die Busfahrt auf Grund der im Recklinghausener- Bus nun lebensbejahenden Klimaverhältnisse sichtlich genießen. 3 Stunden und einige ausgeschlafene Schüler später, lauscht man den etwas ausgefallenen und wahrscheinlich nicht ganz korrekten Erzählung über die Stadtmauer Siennas. Die Führung nimmt, weiter angeleitet von Sven, ihren äußerst interessanten Lauf. Da zu dieser Zeit das alljährliche Pferderennen der einzelnen Stadtteile stattfindet, bestaunen unsere Forscher der Zeit den voll mit Erde bedeckten Austragungsort des Rennens, der sich im Mittelpunkt des Stadtgeländes befindet. Im weiteren Verlauf huldigen einige unseres Geschichts-Fanatiker den Helden der deutschen Nationalmannschaft mit dem Masseneinkauf von diversen Trikots und insbesondere Herr Herschel bekundet sein Unverständnis den Hauptschülern gegenüber: "Ich kann nicht verstehen, wie ungemein blöd die Hauptschüler sein müssen, dass sie sich eine Stadt wie Sienna entgehen lassen!" Später, viel später am Strand von Marine di Massa finden sich unsere Freunde zum letzten Mal zum Feiern in geschlossener Runde am Meer ein. Wie fast immer bei solchen Kursfahrten soll dies nun der krönende Abschluss sein. Es wird über die Kursfahrt gesprochen, man hält gemeinsam die Qualen der unerbitterlichen Stechmücken aus, die zu schier unendlicher Zahl vorhanden sind und man stößt auf „das, was gewesen und das, was kommen mag," im historischen Stil an. Nachwort Üblich ist es ja nicht, zwei Tage aus dem Inhalt eines Tagebuches zu vergessen oder nicht anzugeben. Aber an dieser Stelle sei einmal erwähnt, dass dies auch kein ganz normales Tagebuch über eine noch weniger dem Normalzustand entsprechende Studienfahrt die so mit diesen Teilnehmern sehr wahrscheinlich, wenn Gegenteiliges auch nicht unerwünscht zu sein scheint, nicht mehr Zustande kommen wird. Und außerdem enthält dieses Nachwort im Folgenden auch noch einmal eine kleine Zusammenfassung dessen, was in den letzten 1 ½ Tagen vor sich gegangen ist, was zwar noch unüblicher ist, aber wie schon gesagt, diese Fahrt war alles andere als normal. Also: Nachdem unsere Toskanareisenden die letzte Nacht im Hotel l’Aprodo zugebracht und eine verständliche Uneinigkeit mit dem Hotelwirt bezüglich der Kaution gezeigt hatten, machten sie sich am Freitag um 10 Uhr voll beladen mit Gepäck gemeinsam mit dem Recklinghauser Kurs auf den Weg zum Bus, der sie in Richtung Marina di Massa(Stadt) bringen sollte. Dort besuchte man einen weinig spektakulären dafür aber ellenlangen Markt und verbrachte die restliche Zeit bis 15 Uhr mit nahezu vergeblicher Nahrungssuche. Erst im Supermarkt fanden unsere halb verhungerten Schüler die passende Verpflegung. Von hier an, also ungefähr 16 Uhr, verlief die Fahrt bis auf eine Zweistundenwartepause auf den neuen Busfahrer ohne besondere Vorkommnissse . Während die Einen schon dem nächsten Großereignis entgegenfieberten, versuchten die Anderen sich auf die ein oder andere Art und Weise auszuruhen, was eindeutig leichter fiel als auf der Anreise. Die Wege unserer Freunde trennten sich um 8 Uhr des Samstagmorgens schnell am Rastplatz "Ohligser Heide" und sollten, von einigen Ausnahmen abgesehen, erst am übernächsten Tag, dem Montag, in der Schule nach einem verlorenen Finalspiel wieder zusammenführen. Unserer Meinung nach wäre es eher schade und unpassend gewesen, dem finalen Schlusspunkt diese zwar wirklich geschehenen, aber eher einfach nur langsam bzw. schnell verstrichenen Stunden aufzuzwingen. Natürlich wird es Einige unter euch geben, die dieser Meinung nicht sind, und die die Akzentuierung der Höhepunkte dieser Studienfahrt an anderen Stellen sehen als wir. Das liegt bekanntlich in der Natur des Menschen und seiner Individualität. Und es ist gut so! Es ist sogar sehr gut. Vielleicht fühlst ja gerade DU dich deshalb berufen eine andere Version dieser Fahrt zu verfassen, die dir persönlich besser gefällt. So würden wir uns freuen, wenn diesem Tagebuch noch viele andere Tagebücher/Berichte hinzugefügt werden. Damit es aber keinem all zu schwer fällt den Anfang zu machen haben wir schon heute einen zweiten Fahrtenbericht angehängt. Denn schließlich ist nicht nur der persönliche Vorteil der Autoren zu sehen, sondern gerade durch die Vielfältigkeit der Gedanken und Erlebnisse die so ein Werk (und als solches betrachten wir dieses Tagebuch und alles was folgen kann) füllt, kann es erst richtig interessant werden und die Fahrt lange in unserer Erinnerung bleiben.

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